Interview mit Kurt Brunner

ck: Kurt Brunner, die Solaranlage auf dem Hof Looren ist nun bereits einige Wochen in Betrieb. Wie sind die ersten Erfahrungen?

kb: Alles in allem ist es besser angelaufen als erwartet. Selbst bei widrigen Verhältnissen mit Nebel und Schnee liefert die Anlage erstaunlich viel Energie. Es gibt noch ein paar Anpassungen vorzunehmen, doch das hält sich in Grenzen.

ck: Nun seid ihr selbst Energieproduzent. Kommt man da nicht in Versuchung, die Lampen etwas länger brennen zu lassen, da der Strom nun aus dem eigenen Hof kommt?

kb: Solche Vorschläge gab es beim Bau tatsächlich... doch in der Familie ist der Umgang mit der Energie eher bewusster geworden. Wir diskutieren über die Grössenordnung und setzen unseren momentanen Verbrauch (z.B.Licht, Internet oder Fernseher) in Relation mit dem, was vom Dach kommt und das lässt einem schon nachdenklich werden.

ck: Mit der Solaranlage und dem neuen Laufstall habt ihr nun ein grosses Projekt abgeschlossen. Wird es nun ruhiger bei euch?

kb: Das Projekt brauchte wirklich viel Energie unsererseits. Doch Ökologie ist in jedem Bereich meines Lebens wichtig und diese Arbeiten waren nun einfach ein Teil davon. Es gibt nach wie vor viel zu tun und deshalb setze ich mich nicht gleich zur Ruhe.
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Solarstrom vom Hof Looren

ck. Am 14. Dezember war es soweit: Mit dem Durchtrennen des Absperrbandes zur Wechselrichterstation nahm Brigitta Züst symbolisch die Photovoltaikanlage auf dem Hof Looren in Betrieb. Rund zwanzig auf irgendeine Weise in diesem Projekt involvierte Personen nutzten die Gelegenheit und liessen gemeinsam die vergangenen drei Jahre Planungs- und Bauzeit Revue passieren.
Brigitta Züst nimmt die Anlage symbolisch in Betrieb. Brigitta Züst nimmt die Anlage symbolisch in Betrieb.
Der Hof Looren wird seit einiger Zeit nach einem vielfältig ökologisch ausgerichteten Konzept bewirtschaftet. Dazu gehört auch, dass die Betriebs- und Wohngebäude energietechnisch auf den neusten Stand gebracht werden. Energie sparen alleine löst die sich abzeichnende Knappheit an diesem Gut jedoch nicht, und so wurde nun beim Umbau des Stallgebäudes die Chance genutzt und eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Gebäudes installiert. Bevor aber das erste der über 800 Module montiert werden konnte, mussten einige Hürden genommen werden: Obwohl der Hof nicht in der Schutzzone Bachtel-Allmen liegt, mussten landschaftschützerische Aspekte berücksichtigt werden. Ein weiterer wesentlicher Punkt war die Anbindung an das Stromnetz der EKZ: War man zuvor Stromkonsument, wechselte man nun in die Rolle des Stromproduzenten. Da dafür das bestehende Netz der EKZ nicht ausgelegt war, wurde in intensiver Zusammenarbeit eine neue Lösung gesucht und gefunden. Ein positiver Nebeneffekt dieser zeitaufwändigen Herausforderungen war der Preiszerfall der benötigten Photovoltaik-Komponenten, welche die Investitionskosten in dieser Zeit beinahe halbierten.
Der Bau der Anlage selbst war eine deutlich schnellere Sache: Anfang September starteten die ersten Arbeiten, drei Monate später konnte die Anlage bereits dem Netz übergeben werden. Bis die Anlage energietechnisch amortisiert ist, vergehen nun fünf weitere Jahre, dann hat sie die für ihre eigene Produktion benötigte Energie wieder dem Netz der EKZ eingespiesen. Mit einer erwarteten Betriebsdauer von mehr als 25 Jahren ist dies jedoch gut verkraftbar.
Wechselrichter Wechselrichter
Obwohl der Hof Looren nun viel mehr Strom produziert als er konsumiert, ist er keineswegs von Stromausfällen gefeit. Wenn wie in diesem Herbst der Stürme zu einem grossflächigen Stromunterbruch führen, dann werden die Wechselrichter der Anlage aus Sicherheitsgründen automatisch abgeschaltet und die Melkmaschinen stehen still. Dafür wurde in den vergangenen Jahren die Gefahrensituation bei Brandfällen deutlich entschärft. Durch Tests und Praxiserfahrungen wurden Richtlinien für die Feuerwehr ausgearbeitet, welche die Sicherheit der Feuerwehrleute trotz der spannungserzeugenden Elemente auf dem Dach jederzeit gewährleisten.
Während für die Bauherrschaft auf dem Hof Looren die Sache nun praktisch abgeschlossen ist, beginnt für die EKZ die Zeit der Bewirtschaftung: Die Produktion der Solaranlagen ist im Sommer am höchsten, die Nachfrage nach Strom jedoch im Winter. Die gegenwärtig im Ausbau befindlichen Pumpspeicherwerke in den Alpen können jedoch nur für wenige Tage Energie speichern, für eine längerfristige Speicherung sind neue Ideen und Ansätze seitens der Stromlieferanten gefragt.
Die fertiggestellte Anlage
Die fertiggestellte Anlage

Technische Informationen

Die noch unverbauten Solarpanels Die noch unverbauten Solarpanels
Die Solaranlage auf dem Loorenhof besteht aus 863 monokristalinen Photovoltaikmodulen des Typs Power Plus 190 MC des deutschen Herstellers Conergy. Die Panels belegen rund 1150m2 gegen Westen (82° W) ausgerichtete Dachfläche und erzielen eine Spitzenleistung von 164kW. Die Panels sind an 12 Wechselrichter angeschlossen, welche aus der Gleichspannung 50 Hz Wechselspannung erzeugen. Der erwartete Jahresertrag beträgt rund 140’000 kWh, was dem Verbrauch von 35 Durchschnittshaushalten entspricht. Die Einspeisung erfolgt in das Mittelspannungsnetz (16kV) der EKZ, was einen Neubau der Leitung zwischen Rebacher und Wissenbach zur Folge hatte. Für die Hofbesitzer beliefen sich die Baukosten in der Grössenordnung von 700’000 Franken, die Aufwände der EKZ sind hier nicht berücksichtigt. Die Anlage ist gegenwärtig die zweitgrösste der Region, mehrere grössere Anlagen sind jedoch in Planung.

Bilder

  • Das Scheunendach vor...
  • ... und nach der Installation der Panels (Bild: Peter Sieber)
  • Auch auf dem hinteren Scheunendach sind Panels montiert (Bild: Peter Sieber)
  • Montage der Panels
  • Die fertiggestellte Anlage
  • Die im Hof integrierte Trafostation (Bild: EKZ)
  • Das Infopanel der Anlage
Bilder: Christian Kuster, Peter Sieber (2), EKZ (1)