1816 – Die letzte Hungersnot im Zürcher Oberland

Das Theater der 3./4. Klasse Wernetshausen fand am Donnerstag, 23. Juni 2016, statt.

ib. Der Klassenlehrer, Markus Schäfer, schrieb das Stück selbst und schaffte es, dieses ernste Thema auf eindrückliche Art und Weise darzustellen, ohne dass es zu traurig wurde. Im nachfolgenden Interview erzählt er von dem Projekt.

Wie bist du auf die Idee gekommen an der 1816-Aktion teilzunehmen?

Der Schulleiter Aussenwachten, Mark Plüss, fragte mich vor einem Jahr, ob ich mir vorstellen könnte, mit der Klasse etwas zum Gedenkjahr 1816 zu machen. Bei der Gelegenheit hörte ich zum ersten Mal etwas vom Ausbruch des Tambora und vom anschliessenden ‚Jahr ohne Sommer‘. Da mich Geschichte und Vulkanismus schon seit Kindheit fasziniert, sagte ich zu.

Wo hast du dich informiert?

Es gab in der Folge mehrere Treffen für interessierte Lehrpersonen und eine Website, auf der laufend Informationen zum Thema erschienen. Ich las Bücher über Vulkanismus und nahm mir die Jugenderinnerungen von Jakob Stutz, einem Zürcher Oberländer Zeitzeugen der Hungersnot, vor.

Wie entstand die Idee das Theater in zwei Zeitebenen spielen zu lassen?

Einerseits sollte das Theater die damalige Zeit, die armseligen Lebensbedingungen und auch die Unwissenheit der Landbevölkerung zeigen, andrerseits wollte ich das heute verfügbare Wissen über die Vorgänge rund um 1816 einfliessen lassen. Ich selber würde sehr gerne durch die Zeit reisen können, und auch für viele Kinder ist Zeitreisen eine faszinierende Vorstellung.

Hat die Klasse mitgeholfen, oder waren alle Ideen von dir?

Das Stück sollte in kurzer Zeit genügend relevante Information in unterhaltsamer Weise präsentieren. Vor allem die Kinder selber sollten verstehen lernen, wie die verschiedenen Ursachen und Auswirkungen zusammenhingen. Deshalb schrieb ich die Dialoge selber. Die Kinder brachten beim Proben da und dort eigene Ideen ein, wie man Einzelheiten auf die Bühnen bringen könnte.

Wie konntest du die Schüler für den Stoff begeistern?

Wir beschäftigten uns schon im Herbst mit dem Leben vor 200 Jahren, besuchten das Ortsmuseum und lernten Alltagsgegenstände von damals kennen. Im Frühling waren die Grundlagen des Vulkanismus unser Thema, und bevor wir ans Theater gingen, lasen wir passende Ausschnitte aus den Lebenserinnerungen von Jakob Stutz. Die Kinder reagierten interessiert auf diese Themen, sonst hätte ich dieses Theater bleiben lassen.

Wie verliefen die Proben, haben die Schüler gut mitgemacht?

Die Klasse reagierte positiv, als wir das Theaterstück erstmals lasen. Ich hatte versucht, für jedes Kind eine Rolle zu schreiben, die ihm zusagen würde. Nach den Rückmeldungen vieler Kinder ist das nicht schlecht gelungen. Ich konnte ja auch in etwa ahnen, wer bereit sein würde, ein Kind von 1816 zu spielen, und wer das nicht so cool finden würde. Für viele Kinder war es die erste Gelegenheit, in einem grösseren Theaterstück mitzuspielen, und das führte von Anfang an zu einer positiven Anspannung. Sie engagierten sich sehr dafür, diese einzige Vorstellung zu einem Erfolgserlebnis für alle werden zu lassen. Interessant war, dass in den anfangs getrennten Proben, bei den 1816-Kinder der Ernst der damaligen Situation, die sie spielten, mit einer besonderen Ernsthaftigkeit ihrer Bemühungen Hand in Hand ging, während die 2016-Kinder in einer manchmal überbordenden Lustigkeit probten. Vor allem beim Gebrauch ihrer Handys konnten sie sich fast nicht mehr beruhigen, dabei waren es ja nur laminierte Kopien von Handys mit denen sie spielten.

Bilder: Claudia Hermann